„Damals war ich nicht so klar wie heute“

Nachgefragt

„Damals war ich nicht so klar wie heute“

SCHOTT oder KSC, das war die Frage. In Raphael Assibey-Mensah hat Fußball-Oberligist TSV SCHOTT Mainz einen ganz dicken Fisch an Land gezogen. Der 19-jährige Offensivspieler berichtet im Interview der Woche, warum er sich vor zwei Jahren mit Mainz 05 verkracht hat, wie wichtig für ihn die Wanderjahre in England waren – und warum er nun beim TSV spielt, anstatt in Karlsruhe.

FuPa: Raphael, wie kam es, dass Du jetzt bei SCHOTT Mainz gelandet bist?
Ich war im Probetraining beim KSC, habe dort auch ein paar Spiele mitgemacht. Es war eigentlich gut, aber am Ende war klar, dass ich noch ein paar Defizite habe und noch dazu lernen muss. Dafür ist SCHOTT eine Top-Adresse. Mit Trainer Sascha Meeth kann ich richtig gut arbeiten.

Kennst Du ihn aus Deiner Zeit bei Mainz 05?
Ja, er war lange mein Trainer, von der U11 bis zur U17. Deswegen musste ich auch nicht lange nachdenken.

Um welche Defizite ging es?
Um taktische Defizite. Ich habe ja zwei Jahre in England gespielt und dabei taktisch nicht so viel dazu gelernt.

Wie kam es, dass Du damals nach der U17 Mainz 05 verlassen hast?
Es hat nicht mehr so geklappt zwischen den Mainzern und mir. Sie hatten eine Sichtweise, ich eine andere. Ich hätte einfach meinen Mund halten müssen, sonst wären wir keine getrennten Wege gegangen. Es lag an mir. Es war weniger eine fußballerische, sondern eher eine disziplinarische Frage, und damals war ich nicht so klar wie heute.

War die Auslandserfahrung dahingehend lehrreich?
Ja. Als ich in England war, habe ich gemerkt, dass die Trennung von Mainz 05 meine Schuld war. In England wurde ich mental richtig gestärkt. Da habe ich gemerkt, dass es im Fußball nicht nur darum geht, was man auf dem Platz macht, sondern auch daneben.

Was genau war denn bei Mainz 05 vorgefallen?
Eigentlich nicht viel. Wenn der Trainer etwas gesagt hat, habe ich Widerworte gegeben. Das hätte ich nicht tun sollen.

Wo genau in England warst Du eigentlich?
Beim Brentford FC, das ist ein Zweitligist in London. Ich habe zwei Jahre in London gewohnt und war in der Zeit, wo ich in Deutschland U19 gespielt hätte, dort in der U23.

Wie kam es zur Rückkehr nach Mainz?
Ich wollte nach dem ersten Jahr eigentlich schon zurück und U19-Bundesliga spielen, weil der Fußball in Deutschland ganz anders ist als der in England. Aber meine Berater haben mir gesagt, ich soll die beiden Jahre in England zu Ende bringen. Es war eine überragende Erfahrung, aber es ist auch viel besser, wenn man in Deutschland ausgebildet wird.

Worin liegen denn die Unterschiede?
Im taktischen Verhalten. Da sind die Deutschen viel besser geschult, es wird mehr Wert darauf gelegt. In England geht es sehr aufs Individuelle. Man läuft viel mehr. In Deutschland geht es darum, richtig zu stehen und sich im Pressing richtig zu positionieren. Deutschland ist viel weiter und viel cleverer im Fußball als England.
Trotzdem haben die Engländer im Moment gefühlt die besseren Talente.
Der Unterschied ist, dass in England die Mentalität in Bezug auf die Individualität eine andere ist. In Deutschland wird man als Einzelspieler schnell arrogant, so war es bei mir auch. In England fängt man erst gar nicht an, arrogant zu werden, weil da von Anfang an klar gestellt wird: Egal, wie groß dein Talent ist, es gibt zig andere Talente, die auch spielen wollen. Da ist man von Anfang an bescheiden. Ich glaube, dass es in Deutschland auch viele Individualisten gibt, die aber nicht so zum Vorschein kommen.

Wie ist es bei Sascha Meeth, achtet er vor allem aufs Taktische oder auf die Individualität?
Beides. Die Mannschaft ist individuell und taktisch top. Er ist ein Trainer, der einen Spieler in beiden Bereichen richtig fordert und immer versucht, dich auf ein neues Level zu bringen. Daher war es auch keine schwere Entscheidung, zu Schott zu gehen, denn ich weiß genau, dass ich hier jeden Tag besser werde.

Du hattest seit der Rückkehr aus England bei SCHOTT mittrainiert und zudem Probetrainings absolviert. Wo denn eigentlich überall?
In Karlsruhe, und vorher bei Großaspach und Werder Bremen II.

Du hast für ein Jahr unterschrieben. Was machst Du abseits des Fußballplatzes, wie sieht es mit Schule, Ausbildung, Studium aus?
Ich bin ein Jahr vor der Mittleren Reife nach England gegangen und war dort zwei Jahre auf dem College. Ich hoffe, dass ich hier mit dem Zeugnis mein Fach-Abi machen kann.

Wie lang hast Du gebraucht, um Dich in Deutschland wieder zu akklimatisieren?
Ich kenne die Schott-Spieler ja fast alle schon, teilweise aus der Zeit bei 05. Und ich habe vor drei Jahren schon manchmal bei der SCHOTT mittrainiert, als ich noch bei 05 war, um früh den Männerfußball zu erleben. Das war noch unter Ali Cakici. Als ich in meiner Zeit in England im Winter und Sommer nach Hause gekommen bin, habe ich auch immer wieder bei der Schott mittrainiert. Die Mannschaft kenne ich schon lange, daher war es überhaupt nicht schwer, sich wieder zurecht zu finden. Ich mag die Mannschaft sehr.

Was hast Du Dir für diese Saison vorgenommen?
Ich habe mir vorgenommen, dass ich so viele Spiele wie möglich mache, den nächsten Schritt gehe und mit der SCHOTT richtig oben mitspiele. Der 2:0-Sieg in Völklingen war überragend. Ich will versuchen, alles zu gewinnen, die Siegesserie fortzusetzen und so hoch wie möglich zu kommen.

So viel spielen, wie es geht – das hast Du ja direkt am Tag nach dem Völklingen-Spiel bewiesen, als Du für die zweite Mannschaft vier Tore geschossen hast. Könnte das öfter passieren?
Das hoffen wir mal! Ich werde mein Bestes geben, so oft wie möglich zu treffen. Aber im Fußball bekommt man nichts geschenkt, man muss hart arbeiten. Und ich will hart dafür arbeiten, dass ich meine Leistung zeigen kann. Auf jede Minute auf dem Platz freue ich mich, egal gegen welchen Gegner.

Das Gespräch führte Torben Schröder.

(Quelle: FuPa.net)